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Steuer-Rechner: Nachgelagert vs. Abgeltungsteuer
26,375 %
Abgeltungsteuer + Solidaritaetszuschlag
14 - 45 %
Persönlicher Einkommensteuersatz
~20 %
Durchschnittlicher Steuersatz im Ruhestand

Steuermodell-Vergleich berechnen

Das Wichtigste in Kürze:
  • Nachgelagerte Besteuerung lohnt sich, wenn dein Steuersatz in der Rente mindestens 5-10 Prozentpunkte unter dem aktuellen liegt
  • Der Steuerstundungseffekt bringt über 30 Jahre 15-25 % mehr Endkapital — weil der Steueranteil mitverzinst wird
  • Abgeltungsteuer mit Teilfreistellung (Aktien-ETFs) liegt effektiv bei nur 18,5 % — oft unterschätzt
  • Kirchensteuerpflichtige profitieren überproportional von der nachgelagerten Besteuerung

Nachgelagerte Besteuerung vs. Abgeltungsteuer — erklärt

In Deutschland gibt es zwei grundlegend verschiedene Modelle, wie Kapitalerträge besteuert werden. Das Modell, das für dich gilt, hängt davon ab, in welchem Produkt du sparst — zum Beispiel ob du ein Altersvorsorgedepot oder ein freies ETF-Depot nutzt. Und der Unterschied kann über Jahrzehnte Zehntausende Euro ausmachen.

Die AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren →
ist das Standard-Modell für Kapitalerträge. Auf jeden Gewinn aus Aktien, ETFs oder Zinsen zahlst du pauschal 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritaetszuschlag — zusammen 26,375 Prozent. Kommt Kirchensteuer hinzu, steigt der Satz auf bis zu 28,6 Prozent. Dieser Satz gilt unabhängig von deinem persönlichen Einkommen. Ein umfassender Überblick findet sich im Ratgeber Steuern auf Aktiengewinne.

Die nachgelagerte Besteuerung funktioniert anders. Hier zahlst du während der Ansparphase keine Steuern auf Erträge. Dein gesamtes Kapital wächst steuerfrei. Erst wenn du im Ruhestand Geld entnimmst, wird es mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Da die meisten Menschen in der Rente weniger verdienen als im Berufsleben, ist dieser Satz fast immer niedriger.

Der Steuerstundungseffekt — die stille Rendite

Der größte Vorteil der nachgelagerten Besteuerung ist nicht der niedrigere Steuersatz allein — es ist die Steuerstundung. Wenn du jedes Jahr keine Steuern auf Gewinne zahlst, bleibt mehr Kapital im Depot, das für dich arbeitet. Über 30 Jahre summiert sich dieser Effekt erheblich, weil der Zinseszins auf den Steueranteil ebenfalls wächst.

Ein Beispiel: Bei 10.000 Euro Gewinn im Jahr zahlst du mit Abgeltungsteuer rund 2.638 Euro Steuern. Dieses Geld fehlt dir im nächsten Jahr. Bei nachgelagerter Besteuerung bleiben die 10.000 Euro komplett investiert und erwirtschaften im Folgejahr ebenfalls Rendite. Nach 30 Jahren kann dieser Steuerstundungseffekt allein 15 bis 25 Prozent mehr Endkapital bedeuten.

Wichtig: Die nachgelagerte Besteuerung lohnt sich besonders, wenn dein Steuersatz in der Rente mindestens 5 bis 10 Prozentpunkte unter deinem aktuellen Grenzsteuersatz liegt. Ist der Unterschied geringer, kann die Abgeltungsteuer mit ihrem pauschalen Satz von 26,375 Prozent sogar günstiger sein.

Wann lohnt sich welches Modell?

Situation Besseres Modell Grund
Grenzsteuersatz jetzt 42 %, Rente 20 % Nachgelagert 22 Prozentpunkte Steuersatz-Differenz
Grenzsteuersatz jetzt 30 %, Rente 25 % Abgeltungsteuer Nur 5 Prozentpunkte Differenz, Abgeltungsteuer ist pauschal 26,4 %
Laufzeit über 30 Jahre Nachgelagert Steuerstundungseffekt wächst exponentiell
Laufzeit unter 10 Jahre Kaum Unterschied Steuerstundungseffekt noch gering
Hohe Rente + Mieteinnahmen Abgeltungsteuer Steuersatz in der Rente bleibt hoch

Kirchensteuer: Der oft vergessene Faktor

Wer Kirchensteuer zahlt, hat bei der Abgeltungsteuer einen leicht erhöhten Satz. Statt 26,375 Prozent werden 27,82 Prozent (bei 8 % Kirchensteuer) oder 27,99 Prozent (bei 9 %) fällig. In der nachgelagerten Besteuerung fällt Kirchensteuer ebenfalls an — aber eben nur auf den niedrigeren Rentensteuersatz. Der Vorteil der nachgelagerten Besteuerung wird durch Kirchensteuer also tendenziell noch größer.

Steuermodelle im Vergleich: Nachgelagerte Besteuerung und Abgeltungsteuer

Teilfreistellung bei ETFs im freien Depot

Beim freien ETF-Depot mit Abgeltungsteuer gibt es einen Teilfreistellungsfaktor. Bei Aktien-ETFs mit mindestens 51 Prozent Aktienquote — etwa einem MSCI World ETF — sind 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Das senkt die effektive Steuerlast von 26,375 Prozent auf rund 18,46 Prozent. Im Rechner wird diese Teilfreistellung berücksichtigt, um ein realistisches Bild zu liefern.

Beim Altersvorsorgedepot gibt es diese Teilfreistellung nicht, da die gesamte Auszahlung der nachgelagerten Besteuerung unterliegt. Das relativiert den Vorteil etwas — allerdings gilt die Teilfreistellung nur auf den Gewinnanteil, während beim Altersvorsorgedepot das gesamte Kapital (inkl. Einzahlungen) besteuert wird. Je nach Konstellation kann das ein Vor- oder Nachteil sein.

Vorteile nachgelagerte Besteuerung

  • Steuerstundung über gesamte Laufzeit
  • Niedrigerer Steuersatz im Ruhestand
  • Zinseszins auf den Steueranteil
  • Sonderausgabenabzug möglich
  • Kirchensteuer-Vorteil

Vorteile Abgeltungsteuer

  • Pauschaler Satz (keine Unsicherheit)
  • Teilfreistellung bei Aktien-ETFs
  • Sparer-Pauschbetrag (1.000 EUR)
  • Flexibilität beim Verkauf
  • Kein Risiko steigender Rentensteuersaetze
Rechenbeispiel: Martin (38) verdient 62.000 EUR brutto (Grenzsteuersatz 42 %). In der Rente erwartet er 22.000 EUR jährlich (Steuersatz ca. 18 %). Er spart 250 EUR/Monat über 29 Jahre bei 6 % Rendite. Nachgelagert: 268.000 EUR brutto, abzueglich 18 % Steuern = 219.760 EUR netto, plus 10.584 EUR Sonderausgabenabzug = 230.344 EUR. Mit Abgeltungsteuer: 268.000 EUR brutto, Gewinn 181.000 EUR, davon 70 % steuerpflichtig = 33.430 EUR Steuer, netto = 234.570 EUR. Überraschung: Bei nur 5 Prozentpunkten Differenz liegen beide Modelle nah beieinander — erst ab 10+ Punkten wird der Vorteil deutlich.

Häufige Denkfehler bei der Steuerplanung

Denkfehler 1: "Die Abgeltungsteuer ist immer 26,4 %." Stimmt nicht ganz. Durch die Teilfreistellung bei Aktien-ETFs liegt die effektive Belastung bei nur 18,5 Prozent. Das macht die Abgeltungsteuer attraktiver als viele denken. Wer einen Freistellungsauftrag einrichtet, spart zusätzlich bis zu 1.000 Euro steuerfrei.

Denkfehler 2: "In der Rente zahle ich kaum Steuern." Vorsicht. Mit gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und eventuell Mieteinnahmen kann dein Steuersatz in der Rente höher sein als erwartet. Rechne konservativ und setze den Rentensteuersatz nicht zu niedrig an.

Denkfehler 3: "Steuern sind egal, Rendite zaehlt." Bei gleicher Bruttorendite kann der Steuereffekt über 30 Jahre den Unterschied zwischen 250.000 und 300.000 Euro Endkapital ausmachen. Steuern sind ein wesentlicher Renditefaktor. Ebenso entscheidend sind die Kosten deines Produkts — denn niedrige ETF-Gebühren und Steuervorteile zusammen machen den größten Hebel aus. Auch die Rentenlücke solltest du kennen, bevor du dich für ein Modell entscheidest.

Stand: März 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Das Altersvorsorgedepot befindet sich im Gesetzgebungsprozess — Details können sich noch ändern.

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