Das Wichtigste in Kürze
- Kernfrage Rentenalter, Rentenniveau, Beitragssätze — und wer zahlt
- Aktienrente CDU/FDP stark dafür, SPD/Linke/BSW skeptisch bis ablehnend
- Rentenalter Nur CDU/FDP diskutieren Anhebung — alle anderen dagegen
- Bürgerversicherung SPD/Grüne/Linke/BSW wollen Beamte und Selbständige einbeziehen
- AfD National-orientiert, kein Rentenalter-Anstieg, Inflationsschutz, EU-skeptisch
- BSW Solidarrente 1.500 EUR netto, früher Ausstieg für 45 Beitragsjahre
Die Ausgangslage
Die Zukunft der Rente hängt maßgeblich von politischen Entscheidungen ab. Der demografische Wandel zwingt jede Regierung zum Handeln — doch die Parteien unterscheiden sich fundamental darin, wo sie die Last verteilen: auf Arbeitnehmer (höhere Beiträge), Rentner (niedrigeres Niveau), Ältere (höheres Rentenalter) oder Vermögende (Bürgerversicherung). Stand: Frühjahr 2026.
Schnellvergleich: Alle sieben Parteien auf einen Blick
| Thema | CDU/CSU | SPD | Grüne | FDP | AfD | BSW | Linke |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Rentenalter | Kopplung an Lebenserwartung diskutiert | 67 bleibt | 67 beibehalten | Flexibles Rentenalter | Keine Erhöhung, kein Automatismus | 45 Beitragsjahre = Rente ohne Abzug | Senkung auf 65 |
| Rentenniveau | 48 % stabilisieren | Mindestens 48 % dauerhaft | Mindestens 48 % | Flexibel, aber stabil | Sicherung 48 %, Inflationsschutz | Solidarrente: mind. 1.500 EUR netto | Anhebung auf 53 % |
| Kapitaldeckung | Aktienrente / Depot: ja | Nur als Ergänzung | Staatl. Bürgerfonds | Aktienrente: Kernprojekt | Individuelle Sparkonten, kein "Aktienrente"-Label | Ablehnung privater Kapitaldeckung | Ablehnung |
| Beitragssatz | Stabil halten | Steigerung akzeptabel | Moderate Steigerung | Senkung durch Kapitalrendite | Stabil halten, keine Arbeitnehmer-Belastung | Erhöhung, Beitragsbemessungsgrenze weg | Erhöhung + Grenze aufheben |
| Beamte / Selbständige | Nein | Langfristig ja | Ja (Bürgerversicherung) | Nein | Nein | Ja | Ja (alle einzahlen) |
| Einbeziehung von EU/Migration | Zuwanderung zur Stabilisierung | Integration fördern | Offene Migrationspolitik | Fachkräftemigration ja | National-fokussiert, EU-Harmonisierung ablehnen | Kontrolle, aber kein Rentenexport | Offene Integration |
CDU/CSU — Aktienrente und Eigenverantwortung
Die Union ist der stärkste Treiber der kapitalgedeckten Altersvorsorge in Deutschland. Das Altersvorsorgedepot ab 2027 ist maßgeblich ein CDU/FDP-Projekt. Die Grundlinie: Das Rentenniveau von 48 % soll gehalten werden, aber der Weg dorthin führt über Kapitalmarkterträge statt rein über höhere Beiträge.
Beim Rentenalter ist die CDU die einzige Volkspartei, die offen über eine Kopplung an die Lebenserwartung diskutiert — ähnlich dem schwedischen Modell. Konkret hieße das: Mit steigender Lebenserwartung steigt auch das Regelrentenalter automatisch. Politisch umstritten, ökonomisch logisch.
Beamtenversorgung und Selbständige sollen im aktuellen System bleiben. Die CDU betont Eigenverantwortung: Wer privat vorsorgt, soll belohnt werden — mit GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren →, SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → und steuerfreiem Wachstum.
SPD — Stabiles Niveau, Bürgerversicherung langfristig
Die SPD will das Rentenniveau dauerhaft bei mindestens 48 % halten und das Rentenalter bei 67 belassen. Finanzierungslücken sollen über höhere Beiträge und den Bundeszuschuss geschlossen werden. Kurzfristige Steuererhöhungen für Hohe Einkommen sind kein Tabu.
Langfristiges Ziel: Eine Bürgerversicherung, in die auch Beamte, Selbständige und Politiker einzahlen. Das würde die Beitragsbasis erheblich verbreitern. Aktuell zahlen ca. 37 Mio. Pflichtversicherte in die gesetzliche Rentenversicherung — mit Beamten (ca. 1,8 Mio.) und Selbständigen (ca. 4 Mio.) käme erheblich mehr rein.
Gegenüber der privaten Aktienrente ist die SPD zurückhaltend. Die Argumentation: Kapitalmarktrisiken treffen Geringverdiener härter, die wenig ansparen können und keine Verluste verkraften. Das staatliche Generationenkapital (kollektiv, nicht individuell) findet mehr Zustimmung.
Grüne — Bürgerfonds statt individuellem Depot
Die Grünen befürworten eine kapitalgedeckte Ergänzung — aber kollektiv statt individuell. Der geplante staatlich verwaltete Bürgerfonds würde ähnlich wie Schwedens AP7 oder Norwegens Staatsfonds funktionieren: Alle zahlen ein, ein unabhängiges Gremium legt breit und nachhaltig an, die Erträge fließen ins System. Das unterscheidet sich fundamental vom individuellen ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depot der FDP/CDU-Linie.
Bei der Bürgerversicherung sind die Grünen konsequent: Alle Erwerbstätigen sollen einzahlen. Das Rentenniveau soll bei mindestens 48 % gehalten werden, moderate Beitragserhöhungen sind akzeptabel.
FDP — Aktienrente als Systemwechsel
Die FDP war der stärkste Treiber des Altersvorsorgedepots. Ihre Kernforderung: maximale Flexibilität bei der privaten Vorsorge. Freie Anbieterwahl, freie ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Wahl, Kostenobergrenze (max. 1 % TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren →), kein Zwang zur späteren Verrentung.
Langfristig soll das Depot den Beitragssatz senken — weil private Kapitalmarkterträge die Last von der Umlage nehmen. Das ist die ökonomische Logik hinter dem Modell. Die Flexi-Rente — längeres Arbeiten ohne Abzüge oder mit Zuschlägen — ist ebenfalls ein FDP-Projekt.
Das Rentenalter soll flexibel sein: Wer länger arbeitet, bekommt mehr. Wer früher gehen will, nimmt Abschläge in Kauf. Eine feste Zwangsgrenze lehnt die FDP ab.
AfD — Nationaler Rentnerschutz, kein EU-Automatismus
Die AfD positioniert sich als Partei des Rentnerschutzes — mit deutlich nationalem Fokus. Kernpositionen:
Kein weiterer Anstieg des Rentenalters: Die AfD lehnt jede Erhöhung über 67 hinaus explizit ab. Auch einen automatischen Kopplungsmechanismus an die Lebenserwartung verweigert sie. Die Begründung: Besonders körperlich arbeitende Menschen — Handwerker, Pfleger, Arbeiter — können nicht bis 68 oder 69 durchhalten.
Inflationsschutz für Rentner: Die AfD thematisiert die reale Kaufkraftentwicklung von Renten stärker als andere Parteien. Im Kontext der Inflation 2021–2023 (Rentensteigerungen lagen teils unter der Inflationsrate) fordert die AfD, dass Rentenanpassungen mindestens die Inflation abdecken.
Kein "Rentenexport": Die AfD kritisiert, dass EU-Rentner in Deutschland gearbeitet haben und Rentenansprüche ins Ausland transferieren. Sie will prüfen, ob Leistungsexporte restriktiver gestaltet werden können — was EU-rechtlich jedoch kaum möglich ist.
Skeptisch gegenüber "Aktienrente": Die AfD verwendet das Label nicht, diskutiert aber individuelle staatlich geförderte Sparkonten. Skeptisch ist sie gegenüber der Abhängigkeit von internationalen Kapitalmärkten, die sie als nicht-souverän betrachtet.
Migration als Hebel: abgelehnt: Während andere Parteien Fachkräftemigration als Beitragszahler-Lösung sehen, lehnt die AfD das Konzept der demografischen Kompensation durch Einwanderung explizit ab. Die Lücke soll durch Rentenalter-Stabilität, Geburtenförderung und höhere Erwerbsbeteiligung geschlossen werden.
BSW — Solidarrente und 45-Jahre-Regel
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) positioniert sich rentenpolitisch links von der SPD, aber weniger internationalistisch als die Linke. Die wichtigsten Positionen:
Solidarrente 1.500 EUR netto: Das Kernversprechen des BSW: Wer ein Leben lang gearbeitet hat, soll eine Mindestrente von 1.500 EUR netto erhalten — unabhängig von tatsächlichen Beitragsjahren. Das würde Millionen Niedriglohn-Rentner und insbesondere viele Frauen mit Erwerbsunterbrechungen besser stellen. Die Finanzierung soll über die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze und höhere Unternehmensbeiträge laufen.
Rente nach 45 Beitragsjahren ohne Abzug: Wer 45 Jahre lang Beiträge gezahlt hat, soll ohne Abschläge in Rente gehen können — unabhängig vom Lebensalter. Das richtet sich an Handwerker, Facharbeiter und alle, die mit 18 ins Berufsleben eingestiegen sind.
Bürgerversicherung mit Weitwinkel: Ähnlich wie SPD und Linke will das BSW, dass Beamte, Selbständige und Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Damit soll die Beitragsbasis verbreitert werden.
Ablehnung privater Kapitaldeckung: Das BSW lehnt das Altersvorsorgedepot in seiner aktuellen Form ab. Die Argumentation: Kapitalmarktrisiken können den Lebensstandard im Alter gefährden. Stattdessen setzt das BSW auf kollektive Sicherheit durch höhere gesetzliche Renten.
Kein Rentenexport ins EU-Ausland: Ähnlich wie die AfD — wenn auch mit anderer Begründung — ist das BSW skeptisch gegenüber EU-Harmonisierungsprojekten im Rentenbereich.
Linke — Hohes Niveau, alle zahlen, früher Ausstieg
Die Linke hat das weitgehendste Rentenkonzept aller Parteien. Kernpunkte:
Rentenniveau auf 53 %: Eine deutliche Anhebung gegenüber dem aktuellen Niveau von ~48 %. Das würde Rentner spürbar besser stellen, kostet aber erheblich — finanziert durch die Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze.
Mindestrente 1.200 EUR: Jeder, der 35 Jahre gearbeitet hat, soll mindestens 1.200 EUR Rente bekommen. Damit soll Altersarmut strukturell verhindert werden.
Rentenalter auf 65: Die Linke will das Regelrentenalter von 67 auf 65 senken — gegen den demografischen Trend. Finanzierbar, so die Linke, über die Bürgerversicherung.
Beitragsbemessungsgrenze aufheben: Aktuell werden Einkommen über ~7.550 EUR/Monat nicht mehr mit Rentenbeiträgen belastet. Die Linke will diese Grenze abschaffen: Auch Hochverdiener zahlen voll ein, erwerben aber begrenzte Ansprüche (Solidarprinzip).
Aktienrente: klare Ablehnung: Die Linke betrachtet das Altersvorsorgedepot als Privatisierungsschritt, der Geringverdienern nicht hilft — weil sie nichts ansparen können.
Was bedeutet das für deine Vorsorge?
Unabhängig davon, welche Koalition kommt: Das Altersvorsorgedepot ist ab 2027 beschlossen und kommt — egal wer regiert, eine Abschaffung wäre politisch hochriskant. Die Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → und staatliche Zulagen machen es für fast jeden PflichtversichertWas ist Pflichtversichert?Wer Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt — die Grundvoraussetzung für die Förderung beim Altersvorsorgedepot.
Mehr erfahren →en attraktiv.
Die wirklich relevante politische Variable ist das Rentenniveau nach 2039, wenn die Haltelinie ausläuft. In Szenario "Linke/SPD-Regierung": 48 % oder leicht höher, finanziert durch höhere Beiträge. In Szenario "CDU/FDP": Kapitaldeckung federt ab, aber Niveau könnte leicht sinken. In Szenario "AfD/BSW-Koalition" (theoretisch): Stabiles Niveau, aber Finanzierungsfragen offen.
Fazit: Wer eigenes Vermögen aufgebaut hat, ist in allen Szenarien besser gestellt. Die Generationengerechtigkeit und die Rentengarantie sind politische Versprechen — dein Depot ist Realität.
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