Geschichte der Riester-Rente — Von der Einführung bis zur Ablösung

Die Riester-Rente in Zahlen

  • Einführung 1. Januar 2002
  • Abgeschlossene Verträge (Höchststand) 16,6 Mio (2018)
  • Davon ruhend gestellt ca. 5,5 Mio
  • Durchschnittliche Kosten 1,5 – 2,5 % p.a.
  • Maximale GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
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    (alt) 175 EUR/Jahr
  • Nachfolger Altersvorsorgedepot ab 2027

Warum wurde die Riester-Rente eingeführt?

Im Jahr 2001 stand Deutschland vor einem demografischen Problem: Immer weniger Beitragszahler mussten immer mehr Rentner finanzieren. Das Rentenniveau drohte langfristig auf unter 43 Prozent zu sinken. Die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder suchte eine Lösung.

Arbeitsminister Walter Riester entwickelte das Konzept einer staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Umfassende Informationen zur gesetzlichen Rentenversicherung und ihrer Geschichte bietet die Deutsche Rentenversicherung. Die Idee: Bürger sollten eigenständig vorsorgen und der Staat würde Zulagen und SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
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als Anreiz bieten. Im Mai 2001 verabschiedete der Bundestag das Altersvermögensgesetz. Ab dem 1. Januar 2002 konnten die ersten Verträge abgeschlossen werden.

Die politische Logik dahinter war nachvollziehbar: Das Umlageverfahren der gesetzlichen Rente allein würde nicht mehr ausreichen. Eine kapitalgedeckte Säule sollte die Lücke schließen. Andere Länder wie die Schweiz, Schweden und die Niederlande zeigten, dass private Vorsorge mit Kapitalmarktbezug funktionieren kann.

Die Timeline: 25 Jahre Riester-Rente

JahrEreignisBedeutung
2001Altersvermögensgesetz beschlossenGesetzliche Grundlage für die Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
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2002Erste Riester-Verträge verfügbarAnfangs nur 38 EUR Grundzulage, stufenweise Erhöhung geplant
2005Eigenheimrente integriert (Wohn-Riester)Riester-Guthaben für Immobilienfinanzierung nutzbar
2008Grundzulage erreicht 154 EUR, Kinderzulage 185 EURMaximale Förderstufe nach 6 Jahren Aufbau
2008Kinderzulage für Neugeborene auf 300 EUR erhöhtStärkere Familienförderung
201010 Mio Verträge erreichtAuf dem Papier ein Erfolg
2012–2015Niedrigzinsphase beginntGarantieprodukte erwirtschaften kaum noch Rendite
2016Erste massive Kritik von VerbraucherschützernKosten fressen Förderung auf, viele Verträge im Minus
2018Höchststand: 16,6 Mio VerträgeGleichzeitig bereits ca. 20 % ruhend gestellt
2021Fokusgruppe private Altersvorsorge eingerichtetRegierung erkennt Reformbedarf offiziell an
2024Referentenentwurf zum AltersvorsorgedepotKonkreter Plan für den Riester-Nachfolger
2026Bundestag beschließt AltersvorsorgereformgesetzKeine neuen Riester-Verträge ab 2027
2027Start des AltersvorsorgedepotsETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
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-basiert, günstig, flexibel

Die drei Hauptprobleme der Riester-Rente

Problem 1: Zu hohe Kosten

Die Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
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war in erster Linie ein Geschäft für Versicherungsgesellschaften und Banken. Die durchschnittlichen Kosten lagen bei 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr. Bei einer Laufzeit von 30 Jahren und einer Brutto-Rendite von 5 Prozent fressen Kosten von 2 Prozent etwa 40 Prozent des Endkapitals auf. Die staatliche Förderung floss damit größtenteils an die Anbieter.

Zum Vergleich: Ein einfacher ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
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auf den MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
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kostet zwischen 0,1 und 0,2 Prozent pro Jahr (TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
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). Das ist zehn- bis zwanzigmal günstiger als ein typischer Riester-Vertrag.

Kostenvergleich Riester-Rente vs. ETF-Depot

Problem 2: Die Beitragsgarantie

Jeder Riester-Anbieter musste garantieren, dass zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge plus Zulagen zur Verfügung stehen. Diese 100-Prozent-Garantie klingt gut, hatte aber fatale Folgen: Die Anbieter durften nur einen kleinen Teil in Aktien investieren. Der Großteil floss in Anleihen und Geldmarktprodukte, die in der Niedrigzinsphase praktisch keine Rendite brachten.

In vielen Fällen war das Ergebnis nach Kosten und Inflation ein realer Verlust. Sparer hätten mit einem ungeförderten ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
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-Sparplan deutlich besser abgeschnitten.

Problem 3: Extreme Komplexität

Riester-Verträge waren für Laien kaum verständlich. Unterschiedliche Produkttypen (Versicherungen, Banksparpläne, Fondssparpläne, Wohn-Riester), intransparente Kostenstrukturen, komplizierte Zulagenbeantragung und unklare Auszahlungsregeln führten dazu, dass viele Verträge falsch gewählt oder nicht optimal bespart wurden. Schätzungen zufolge verschenkten Riester-Sparer jährlich rund 1,5 Milliarden EUR an Zulagen, weil sie zu wenig einzahlten oder den DauerzulagenantragWas ist Dauerzulagenantrag?Einmalige Vollmacht an den Depotanbieter, jedes Jahr automatisch die staatlichen Zulagen beim Bundeszentralamt für Steuern zu beantragen. Einmal Häkchen setzen — fertig.
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nicht stellten.

Die gescheiterten Reform-Versuche

Über die Jahre gab es mehrere Anläufe, die Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
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zu reparieren. 2016 forderte die Verbraucherzentrale ein staatliches Standardprodukt nach schwedischem Vorbild. 2019 schlug eine CDU-nahe Expertengruppe die Abschaffung der Garantiepflicht vor. 2021 richtete das Bundesfinanzministerium eine Fokusgruppe private Altersvorsorge ein, die über zwei Jahre hinweg Reformoptionen prüfte.

Alle Versuche, das bestehende System zu reparieren, scheiterten an den strukturellen Problemen: Die Garantiepflicht war gesetzlich verankert, die Lobbyinteressen der Versicherungswirtschaft stark, und ein radikaler Umbau erschien politisch riskant. Erst die Ampelregierung wagte den Schnitt und ersetzte das System durch das Altersvorsorgedepot.

Was wird mit bestehenden Riester-Verträgen?

Rund 16 Millionen bestehende Verträge genießen Bestandsschutz. Sparer haben ab 2027 drei Optionen:

  • Weiterlaufen lassen: Bestehende Verträge werden mit der bisherigen Förderstruktur fortgeführt. Die GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
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    bleibt bei 175 EUR pro Jahr.
  • In neue Förderung wechseln: Beim gleichen Anbieter in die neue Zulagenstruktur (bis 540 EUR/Jahr) wechseln. Die Beitragsgarantie entfällt dann.
  • Guthaben übertragen: Das gesamte Riester-Guthaben kann auf ein neues Altersvorsorgedepot übertragen werden. Maximal 150 EUR Wechselgebühren, keine Rückzahlung der Förderung.

Für die meisten Sparer dürfte der Wechsel sinnvoll sein. Die höhere GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
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, günstigere Produkte und die Möglichkeit, in ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
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s zu investieren, überwiegen in der Regel die Vorteile des Bestandsschutzes. Die GünstigerprüfungWas ist Günstigerprüfung?Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Zulagen oder der Sonderausgabenabzug für dich vorteilhafter ist. Du bekommst immer das bessere Ergebnis.
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stellt sicher, dass du steuerlich nicht schlechter gestellt wirst.

Was das Altersvorsorgedepot besser macht

KriteriumRiester-RenteAltersvorsorgedepot
ProduktauswahlVersicherungen, BanksparpläneETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
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s, Fonds, Anleihen
Beitragsgarantie100 % PflichtOhne, 80 % oder 100 % wählbar
Kosten (Standarddepot)1,5 – 2,5 % p.a.Max. 1,0 % p.a.
Maximale Zulage175 EUR/Jahr540 EUR/Jahr
Selbständige förderberechtigtNeinJa
TransparenzGeringHoch (Depot mit Echtzeit-Einblick)
AnbieterwechselKompliziert, teuerEinfach, max. 150 EUR

Die Lehre aus 25 Jahren Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
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ist klar: Staatliche Förderung bringt nur dann etwas, wenn die Produkte günstig, transparent und renditeorientiert sind. Das Altersvorsorgedepot setzt genau dort an. Es erlaubt erstmals die Kombination aus staatlichen Zulagen und breit gestreuter ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
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-Anlage — ein Modell, das in Schweden und anderen Ländern seit Jahrzehnten funktioniert.

Wie viel bringt dir das Altersvorsorgedepot?

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Fazit: Ein überfälliger Neustart

Die Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
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war ein ambitionierter Versuch, der an den falschen Rahmenbedingungen gescheitert ist. Zu hohe Kosten, eine kontraproduktive Garantiepflicht und mangelnde Transparenz haben dafür gesorgt, dass Millionen von Sparern trotz staatlicher Förderung kaum Vermögen aufgebaut haben. Das Altersvorsorgedepot ist die konsequente Antwort auf diese Fehler. Ob es besser funktioniert, hängt davon ab, wie konsequent der Gesetzgeber die Kostendeckel durchsetzt und ob Sparer die neue Freiheit für eine renditeorientierte Anlage nutzen.

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