Das Wichtigste in Kürze
- Rechtsanspruch Jeder Arbeitnehmer seit 2002 (§ 1a BetrAVG)
- Steuerfrei 2026 Bis ca. 628 EUR/Monat (8 % BBG)
- SV-frei Bis ca. 314 EUR/Monat (4 % BBG)
- Arbeitgeberzuschuss Mind. 15 % Pflicht
- Nettoaufwand bei 200 EUR brutto Ca. 100-120 EUR netto
Was ist Entgeltumwandlung?
Entgeltumwandlung bedeutet: Du verzichtest auf einen Teil deines Bruttogehalts, und dein Arbeitgeber zahlt diesen Betrag in eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) ein. Weil der Beitrag direkt vom Brutto abgeht, sparst du Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Der Clou: Aus 200 EUR brutto werden nicht 200 EUR weniger netto — sondern nur etwa 100 bis 120 EUR.
Seit 2002 hat jeder sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltumwandlung. Dein Arbeitgeber kann sie dir nicht verweigern — er darf lediglich den Durchführungsweg bestimmen (meist eine Direktversicherung). Mehr dazu beim BMAS - Betriebliche Altersversorgung.
So funktioniert die Entgeltumwandlung — Schritt für Schritt
Du schliesst mit deinem Arbeitgeber eine Entgeltumwandlungsvereinbarung. Darin wird festgelegt: Beitragshöhe, Durchführungsweg und Versorgungsträger.
Jeden Monat wird der vereinbarte Betrag von deinem Bruttogehalt abgezogen — noch bevor Steuern und Sozialabgaben berechnet werden.
Dein Arbeitgeber überweist den Beitrag an den Versorgungsträger und legt mindestens 15 % oben drauf.
Das Geld wird je nach Produkt verzinst oder in Fonds angelegt. In der Rentenphase erhältst du eine monatliche Betriebsrente.
Rechenbeispiel: Entgeltumwandlung mit 200 EUR
Nehmen wir an, du verdienst 3.500 EUR brutto monatlich (Steuerklasse 1, keine Kinder, PflichtversichertWas ist Pflichtversichert?Wer Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt — die Grundvoraussetzung für die Förderung beim Altersvorsorgedepot.
Mehr erfahren →) und wandelst 200 EUR um:
| Position | Ohne Umwandlung | Mit 200 EUR Umwandlung |
|---|---|---|
| Bruttogehalt | 3.500 EUR | 3.300 EUR (steuerlich) |
| Lohnsteuer + Soli | ca. 475 EUR | ca. 425 EUR |
| Sozialabgaben (AN) | ca. 700 EUR | ca. 660 EUR |
| Nettogehalt | ca. 2.325 EUR | ca. 2.215 EUR |
| Netto-Aufwand für 200 EUR bAV | — | ca. 110 EUR |
Du zahlst also effektiv nur 110 EUR netto für 200 EUR Altersvorsorge-Beitrag. Dazu kommen noch mindestens 30 EUR Arbeitgeberzuschuss (15 %). In Summe fliessen also 230 EUR in deine bAV — für 110 EUR echten Aufwand.
Vorteile und Nachteile der Entgeltumwandlung
Vorteile
- Steuer- und SV-Ersparnis in der Ansparphase
- Arbeitgeberzuschuss (mind. 15 %)
- Automatisch per Gehaltsabrechnung — kein aktives Sparen nötig
- Insolvenzschutz über PSV (je nach Durchführungsweg)
- Rechtsanspruch — Arbeitgeber kann nicht ablehnen
Nachteile
- Geringere gesetzliche Rente (durch niedrigere SV-Beiträge)
- Volle Versteuerung + KV/PV auf die Betriebsrente
- Geld erst ab Rentenalter verfügbar — keine Flexibilität
- Oft nur konservative Anlageprodukte (wenig ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →) - Portabilität bei Jobwechsel nicht immer einfach
Entgeltumwandlung vs. Altersvorsorgedepot
Mit dem Altersvorsorgedepot ab 2027 gibt es erstmals eine staatlich geförderte Alternative, die volle Anlagefreiheit mit ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s bietet und transparenter ist. Der grosse Unterschied: Beim Altersvorsorgedepot zahlst du vom Netto ein und bekommst dafür GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren → und SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren →. Bei der Entgeltumwandlung sparst du direkt am Brutto.
Die beste Strategie? Beide kombinieren. Erst den Arbeitgeberzuschuss bei der bAV mitnehmen, dann den Rest ins Altersvorsorgedepot.
Achtung Rentenlücke: Jeder Euro, den du per Entgeltumwandlung sparst, fehlt bei deinen SV-Beiträgen. Das bedeutet: Deine gesetzliche Rente fällt etwas geringer aus. Bei 200 EUR Umwandlung über 30 Jahre sind das ca. 15-20 EUR weniger gesetzliche Rente pro Monat.
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