Position der Verbraucherzentrale
- Grundsätzliche Haltung Unterstützend, aber kritisch
- Empfehlung ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-basiertes Depot bevorzugen - Warnung Nr. 1 Versteckte Kosten vermeiden
- Warnung Nr. 2 Garantie-Variante bewusst wählen
- Warnung Nr. 3 Alte Riester-Verträge prüfen
Was die Verbraucherzentrale zum Altersvorsorgedepot sagt
Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) nimmt eine differenziertere Position ein als die Gewerkschaften. Sie begruesst das Altersvorsorgedepot als Fortschritt gegenueber Riester, mahnt aber bei den Details zur Vorsicht.
Was die Verbraucherzentrale befürwortet
Die Verbraucherschützer sehen folgende Verbesserungen gegenüber der Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
Mehr erfahren →:
- ETF-basiertes Sparen: Endlich können Verbraucher in kostengünstige ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s investieren statt in teure Versicherungsprodukte - Wahlfreiheit bei der Garantie: Die drei Garantie-Varianten geben Verbrauchern mehr Kontrolle
- Höhere GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren →: 540 EUR statt 175 EUR ist ein deutlicher Sprung - Transparenz: ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Kosten sind klar beziffert — anders als bei intransparenten Versicherungsmänteln - Anbieterwechsel: Die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln, erhöht den Wettbewerb
Wovor die Verbraucherzentrale konkret warnt
Warnung 1: Versteckte Kosten bei Anbietern
Die Verbraucherzentrale befürchtet, dass einige Anbieter trotz niedriger TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren → der ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s zusätzliche Gebühren erheben könnten: Depotgebühren, Transaktionskosten, Beratungsgebühren oder Umschichtungskosten beim Lifecycle-ModellWas ist Lifecycle-Modell?Automatische Umschichtung: Je näher die Rente rückt, desto mehr wird von Aktien in sichere Anleihen umgeschichtet. Reduziert das Risiko vor der Auszahlung.
Mehr erfahren →.
Empfehlung der Verbraucherzentrale:
- Gesamtkostenquote (Total Cost of Ownership) vergleichen, nicht nur die TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren → - Neobroker und Direktbanken bevorzugen — sie haben typischerweise die niedrigsten Gebühren
- Auf versteckte Ausgabeaufschläge und Performance-Fees achten
Einordnung: Berechtigt. Die Kosten sind der wichtigste Faktor nach der Rendite. Jedes Zehntel Prozent an Gebühren kostet über 30 Jahre tausende Euro.
Warnung 2: Garantie-Variante bewusst wählen
Die Verbraucherzentrale warnt davor, die Garantie-Variante ohne nachzudenken zu wählen. Sowohl zu viel als auch zu wenig Garantie kann problematisch sein:
| Variante | Verbraucherzentrale-Einschätzung | Geeignet für |
|---|---|---|
| 100 % Garantie | Sicher, aber renditearm — Riester-Fehler droht zu wiederholen | Sicherheitsorientierte mit kurzem Horizont |
| 80 % Garantie | Guter Kompromiss — von den meisten Verbraucherschützern empfohlen | Die meisten Arbeitnehmer |
| Ohne Garantie | Höchste Rendite, aber nicht für jeden geeignet | Junge Sparer mit 25+ Jahren Horizont |
Warnung 3: Alte Riester-Verträge nicht voreilig kündigen
Die Verbraucherzentrale rät, bestehende Riester-Verträge nicht sofort zu kündigen, sondern zu prüfen:
- Umwandlung: Bestehende Riester-Verträge können ins Altersvorsorgedepot überführt werden — das ist meist die beste Option
- Kündigung: Wer kündigt, muss die Zulagen zurückzahlen — das ist FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren → - Beitragsfrei stellen: Im Zweifel den Riester-Vertrag ruhen lassen und parallel das Altersvorsorgedepot starten
Warnung 4: Finanzberatung kritisch prüfen
Provisionsbasierte Berater könnten teurere Produkte empfehlen, weil sie daran mehr verdienen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt:
- Honorarberatung statt Provisionsberatung
- Unabhängige Vergleichsportale nutzen
- Selbst informieren — Seiten wie diese helfen dabei
Warnung 5: Nachgelagerte Besteuerung einplanen
Die Verbraucherzentrale betont, dass die Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → bei der Planung beruecksichtigt werden muss. Im Alter zahlst du deinen persoenlichen EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren → auf jede Auszahlung. Wer das ignoriert, ueberschaetzt seine Nettorente.
Rechenbeispiel: Peter (65) hat 200.000 EUR im Depot und bekommt 800 EUR/Monat als Auszahlungsplan. Bei einem Steuersatz von 20 % im Alter bleiben 640 EUR netto. Bei einem freien ETF-Depot mit Abgeltungsteuer (25 %) waeren es 600 EUR netto — die nachgelagerte Besteuerung ist hier also sogar guenstiger. Laut Deutscher Rentenversicherung liegt der durchschnittliche Steuersatz von Rentnern bei 15–22 %.
Einordnung: Richtig. Allerdings liegt der Steuersatz im Alter typischerweise deutlich unter dem im Berufsleben. Und die Zulagen und der SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → kompensieren den Steuernachteil in den meisten Faellen. Details: Auszahlung und Rente.
Verbraucherzentrale vs. Gewerkschaften
Die Positionen unterscheiden sich deutlich:
| Thema | Verbraucherzentrale | Gewerkschaften (DGB/Verdi) |
|---|---|---|
| Aktienrente grundsätzlich | Befürwortend mit Auflagen | Überwiegend ablehnend |
| ETF-basiertes Sparen | Empfohlen | Skeptisch |
| Garantie | Wahlfreiheit gut, 80 % empfohlen | 100 % Pflicht gefordert |
| Kosten | Deckelung und Transparenz | Ablehnung des Systems |
| Alternative | Aktienrente + gesetzliche Rente | Nur gesetzliche Rente stärken |
Konkrete Tipps der Verbraucherzentrale
Die Stiftung Warentest bewertet ETF-Sparplaene regelmaessig als erste Wahl fuer langfristigen Vermoegensaufbau. Die Verbraucherzentrale empfiehlt fuer das Altersvorsorgedepot:
- Breit streuen: MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → oder FTSE All-World — keine Einzelaktien, keine Branchenwetten - Kosten minimieren: ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s mit einer TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren → unter 0,30 % wählen - Früh starten: Der Zinseszinseffekt braucht Zeit — jedes Jahr zählt
- Nicht panisch reagieren: Bei Kurseinbrüchen ruhig bleiben und weiter besparen
- Anbieter vergleichen: Nicht das erstbeste Angebot nehmen, sondern Gesamtkosten prüfen
- Riester-Umwandlung prüfen: Bestehende Verträge möglichst umwandeln statt kündigen
Fazit: Konstruktive Kritik, die weiterhilft
Die Verbraucherzentrale nimmt eine kluge Mittelposition ein: Sie begrüßt die Aktienrente als Fortschritt, warnt aber vor konkreten Fallstricken. Ihre Empfehlungen — niedrige Kosten, 80%-Garantie, breite Streuung — decken sich mit dem, was Finanzwissenschaftler seit Jahren empfehlen. Anders als die Gewerkschaften lehnen die Verbraucherschützer das System nicht pauschal ab, sondern helfen Verbrauchern, es optimal zu nutzen.
Häufige Fragen zur Verbraucherzentrale und Aktienrente
Empfiehlt die Verbraucherzentrale die Aktienrente?
Ja, grundsätzlich. Die Verbraucherzentrale begrüßt das Altersvorsorgedepot als klaren Fortschritt gegenüber der Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
Mehr erfahren →. Sie empfiehlt ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-basiertes Sparen, warnt aber vor versteckten Kosten bei einzelnen Anbietern.
Welche Garantie-Variante empfiehlt die Verbraucherzentrale?
Die meisten Verbraucherschützer empfehlen die 80%-Garantie als besten Kompromiss. Du behältst 80 % deines Kapitals auf jeden Fall, partizipierst aber deutlich stärker am Aktienmarkt als bei der 100%-Variante. Auch die Variante Pur (ohne Garantie) eignet sich für junge Sparer.
Wovor warnt die Verbraucherzentrale beim Altersvorsorgedepot?
Vor versteckten Kosten (Depotgebühren, Transaktionskosten, Umschichtungsgebühren), provisionsbasierter Beratung und voreiliger Kündigung alter Riester-Verträge. Sie empfiehlt, die Gesamtkostenquote zu vergleichen, nicht nur die TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren →.
Soll ich meinen alten Riester-Vertrag kündigen?
Die Verbraucherzentrale rät davon ab. Besser: Den Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot umwandeln oder beitragsfrei stellen. Bei Kündigung müsstest du alle Zulagen zurückzahlen — das wäre FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren → und kann teuer werden.
Wie finde ich einen guten Anbieter für das Altersvorsorgedepot?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt Neobroker und Direktbanken mit niedrigen Gesamtkosten. Achte auf die TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren → (unter 0,30 %), Depotgebühren (idealerweise 0 EUR) und verzichte auf provisionsbasierte Beratung. Nutze stattdessen Honorarberatung oder unabhängige Vergleichsportale.
Unterscheidet sich die Meinung der Verbraucherzentrale von den Gewerkschaften?
Ja, deutlich. Gewerkschaften lehnen die Aktienrente überwiegend ab und fordern nur die Stärkung der gesetzlichen Rente. Die Verbraucherzentrale befürwortet die Aktienrente grundsätzlich und gibt konkrete Tipps für die optimale Nutzung.
Bietet die Verbraucherzentrale persönliche Beratung zur Aktienrente?
Ja, viele Verbraucherzentralen bieten persönliche Altersvorsorge-Beratung für unter 100 EUR an. Das ist eine der wenigen unabhängigen Beratungsquellen, die nicht an Provisionen verdient. Besonders empfehlenswert, wenn du bei der Produktwahl unsicher bist.
Weiterlesen
Gewerkschaften zur Aktienrente
Was DGB, Verdi und IG Metall fordern — und ob sie recht haben.
Kritik an der Aktienrente
Alle Kritikpunkte im Faktencheck.
Kosten und Gebühren
Worauf du bei den Kosten achten musst — und wie du sparst.
ETF-Auswahl fürs Depot
Welche ETFs die Verbraucherzentrale empfehlen würde.
Pro und Contra Aktienrente
Alle Argumente für und gegen die Aktienrente.
Risiken realistisch einschätzen
Historische Crashs, Erholungsphasen und Absicherung.